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Jahrzehntelang beruhte die Diagnose der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) und des laryngopharyngealen Refluxes (LPR) maßgeblich auf invasiven ambulanten Refluxmessungen, insbesondere der 24-Stunden-pH-Metrie mit Mehrkanal-Impedanzmessung (MII-pH). Obwohl diese Technologie wertvolle Informationen über saure und nicht-saure Refluxereignisse liefert, stellten ihre Invasivität, die Kosten und die Belastung für die Patienten lange Zeit Hürden dar. Zunehmend gewinnt eine einfachere Lösung an Bedeutung: ein Speicheltest zum Nachweis von Pepsin – einem Magenenzym, das Reflux direkt belegt. Dieser Artikel untersucht, warum der Speichel-Pepsin-Test eine klinisch valide und patientenfreundliche Alternative zur 24-Stunden-pH-Metrie darstellt, insbesondere für das Screening und die Verlaufskontrolle der Refluxkrankheit.
Grenzen der 24-Stunden-pH-Wert-Überwachung: Komplexer als nötig?
Die 24-Stunden-pH- oder Impedanz-pH-Messung erfordert üblicherweise die transnasale Einführung eines dünnen Katheters, der einen ganzen Tag lang im Körper verbleibt. Das Verfahren beeinträchtigt die normale Nahrungsaufnahme, den Schlaf und die täglichen Aktivitäten und wird von vielen Patienten schlecht vertragen. Kabellose Kapselsysteme (z. B. Bravo) kommen ohne Nasensonde aus, erfordern aber dennoch eine endoskopische Platzierung und sind möglicherweise nicht flächendeckend verfügbar. Gleichzeitig ist die diagnostische Ausbeute der 24-Stunden-Überwachung nicht so hoch, wie oft angenommen wird.
Bei Patienten mit chronischen Kehlkopfsymptomen, die sowohl eine drahtlose 48-Stunden-pH-Metrie als auch eine 24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie erhielten, war die diagnostische Ausbeute bei der katheterbasierten 24-Stunden-Messung (27 %) deutlich geringer als bei der verlängerten drahtlosen Messung (50 %), obwohl beide Geräte die ersten 24 Stunden desselben Untersuchungszeitraums erfassten. [1]Diese Beobachtung legt nahe, dass eine eintägige Katheterüberwachung klinisch relevanten Reflux übersehen kann, der über einen längeren Zeitraum oder mit einem weniger invasiven Gerät erfasst wird. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Ein schneller, einfacher und wiederholbarer Test könnte viele dieser Nachteile beheben.
Wie Speichelpepsintests funktionieren
Pepsin ist ein Verdauungsenzym, das ausschließlich in der Magenschleimhaut produziert wird. Unter physiologischen Bedingungen sollte es weder im Speichel noch im Rachensekret oder in den Atemwegen nachweisbar sein. Wenn jedoch Mageninhalt – egal ob sauer, schwach sauer oder nicht sauer – nach oben zurückfließt, gelangt Pepsin mit ihm in die Atemwege. Der Nachweis von Pepsin in einer Speichelprobe liefert daher einen direkten und objektiven Beweis dafür, dass ein Refluxereignis bis in den oberen Verdauungstrakt stattgefunden hat.
Speichelpepsin-Nachweis mittels eines Lateral-Flow-Tests, wie z. B. Pepfast, ist unkompliziert:
Durch diese Einfachheit kann der Test in Hausarztpraxen, HNO-Praxen oder – unter fachkundiger Anleitung – sogar im häuslichen Umfeld durchgeführt werden. Das Ergebnis liegt sofort vor und kann direkt im Anschluss an die Beratung besprochen werden, wodurch die Zeit bis zur Diagnose deutlich verkürzt wird.
Vergleichende klinische Evidenz: Veränderung des diagnostischen Ergebnisses
Mehrere Studien haben die Speichelpepsinmessung direkt mit der 24-Stunden-pH-Metrie verglichen. Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse stammt aus einer britischen Studie aus dem Jahr 2015 mit 100 Patienten, die zur katheterbasierten 24-Stunden-pH-Metrie überwiesen wurden. Die Teilnehmer sammelten bis zu drei Speichelproben zum Zeitpunkt ihrer stärksten Refluxsymptome und unterzogen sich gleichzeitig einer Manometrie und pH-Metrie. Während die pH-Metrie nur 49 % der Patienten als Refluxpatienten einstufte, zeigte die Speichelpepsinmessung, dass 81 % derselben Kohorte mindestens eine positive Pepsinprobe aufwiesen. Darüber hinaus veränderte die Speichelpepsinmessung das diagnostische Ergebnis bei 44 % der symptomatischen Refluxpatienten im Vergleich zur alleinigen pH-Metrie. [1].
Die Autoren schlussfolgerten, dass der höhere Anteil an Pepsin-positiven Patienten „die geringe Sensitivität der 24-Stunden-pH-Metrie widerspiegeln könnte“ und dass die Messung von Speichelpepsin dazu beitragen könnte, falsch-negative Diagnosen, die ausschließlich auf pH-Daten basieren, zu vermeiden. Anders ausgedrückt: Eine negative 24-Stunden-pH-Metrie schließt Reflux nicht zuverlässig aus; ein positiver Pepsin-Test kann Patienten identifizieren, denen andernfalls gesagt würde, sie hätten keinen Reflux, und die ohne Behandlung nach Hause geschickt würden.
Eine weitere systematische Bewertung des diagnostischen Nutzens von Speichelpepsin im Vergleich zur 24-Stunden-pH-/Impedanzmessung bei LPR kam zu dem Schluss, dass der Nachweis von Speichelpepsin eine „einfachere, kostengünstigere und weniger traumatische universelle Alternative erster Wahl“ zur 24-Stunden-Impedanz-pH-Sonde bei der Diagnose von LPR darstellt. [2].
Welcher Test für welchen Patienten?
Sowohl die 24-Stunden-pH-Wert-Messung als auch der Speichelpepsintest spielen eine Rolle in der modernen Diagnostik, dienen aber unterschiedlichen Zwecken:
|
| 24-Stunden-pH-Wert-/Impedanzüberwachung | Speichelpepsintest (Pepfast) |
| Invasivität | Hoch (Katheter- oder endoskopische Kapselplatzierung) | Nicht-invasiv (nur Speichelprobe) |
| Zeit bis zum Ergebnis | 24–48 Stunden nach Abschluss | 15 Minuten nach Probenentnahme |
| Ausrüstung | Spezialisiertes Labor & Software | Keine; Lateral-Flow-Test |
| Reflux festgestellt | Säureexpositionszeit; schwach sauer und nicht sauer mit Impedanz | Jedes Refluxereignis (sauer oder nicht sauer), das Pepsin enthält |
| Am besten geeignet für | Quantifizierung der Säurebelastung; präoperative Beurteilung; komplexe, therapieresistente Fälle | Erstlinien-Screening, Überwachung, LPR und extraösophageale Symptome |
| Kosten | Hoch (Gerät, Technikerzeit, Interpretation) | Niedrig |
Der eigentliche Wert des Speichelpepsintests liegt nicht darin, die pH-Wert-Messung vollständig zu ersetzen, sondern darin, ein leicht zugängliches, schmerzloses und schnell wiederholbares Triage-Instrument zu sein. Patienten mit klassischem Sodbrennen oder chronischen Halssymptomen können bereits beim ersten Besuch in der Klinik getestet werden. Wird Pepsin nachgewiesen, spricht dies stark für die Diagnose Reflux und die Behandlung kann sofort begonnen werden. Ist das Ergebnis negativ, besteht aber weiterhin ein starker klinischer Verdacht, kann der Test an verschiedenen Tagen oder zu verschiedenen Tageszeiten (z. B. nach dem Essen, nach Abklingen der Symptome) wiederholt werden. Nur wenn eine genauere Bestimmung der Säurebelastung für die Operationsplanung oder zur Abklärung therapieresistenter Symptome erforderlich ist, sollte der Patient einer umfassenderen Überwachung unterzogen werden.
Eine nicht-invasive Alternative zur 24-Stunden-pH-Metrie behebt die häufigsten Beschwerden von Patienten über herkömmliche Refluxtests: Unbehagen, Beeinträchtigung des Alltags und Verzögerung der Diagnose. Für Ärzte bietet sie einen objektiven Biomarker, der direkt mit der Pathophysiologie des Refluxes zusammenhängt und nicht auf indirekten Messgrößen wie dem pH-Wert allein beruht. Da der Test zudem direkt in der Praxis durchgeführt werden kann, lässt sich die gefürchtete Vorgehensweise „Probieren Sie dieses Medikament acht Wochen lang und kommen Sie dann wieder“ durch eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung direkt am Behandlungsort ersetzen.
Ein positiver Pepsin-Test liefert eine klare Erklärung für ansonsten unklare Hals- oder Brustbeschwerden; ein negativer Test, insbesondere bei mehrmaliger Wiederholung, hilft dabei, die diagnostische Suche auf andere Ursachen umzulenken – ohne den Patienten einem unnötigen invasiven Eingriff auszusetzen.
❓Häufig gestellte Fragen
1. Kann die Speichelpepsinbestimmung die 24-Stunden-pH-Wert-Überwachung vollständig ersetzen?
Nein. Die pH-Impedanzmessung ist weiterhin wichtig, um die Säurebelastung zu quantifizieren, die Wirksamkeit der Säurehemmungstherapie zu beurteilen und Patienten für eine Antirefluxoperation auszuwählen. Für das Erstscreening, die Beurteilung der LPR und die Überwachung des Therapieerfolgs ist der Speichelpepsintest jedoch eine praktische und gut validierte Alternative. [1][2].
2. Ist der Test genau genug, um in der klinischen Praxis als vertrauenswürdig zu gelten?
Ja. Große Studien haben eine gute Sensitivität für den Nachweis von GERD und LPR gezeigt. Eine Studie ergab, dass Speichelpepsin das diagnostische Ergebnis bei 44 % der symptomatischen Refluxpatienten im Vergleich zur alleinigen pH-Metrie veränderte. [1]Eine weitere systematische Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass es sich um eine zuverlässige Alternative zur Impedanz-pH-Messung erster Wahl handelt. [2].
3. Für welche Patienten eignet sich der Speichelpepsintest am besten?
Der Test ist besonders wertvoll für Patienten mit extraösophagealen Symptomen (chronischer Husten, Heiserkeit, Globusgefühl, Räuspern), deren pH-Werte häufig unauffällig sind. Er eignet sich zudem ideal für das Erstscreening in der Primärversorgung, zur Überwachung des Ansprechens auf eine Alginattherapie oder Lebensstiländerungen sowie für Patienten, die invasive Überwachungsmethoden nicht tolerieren oder ablehnen.
4. Wie sollte ein Arzt ein negatives Speichelpepsin-Testergebnis interpretieren?
Ein einzelnes negatives Ergebnis schließt Reflux nicht vollständig aus, da Refluxepisoden intermittierend auftreten. Besteht weiterhin ein starker klinischer Verdacht, sollte der Test an verschiedenen Tagen zu Zeitpunkten wiederholt werden, an denen Symptome am wahrscheinlichsten auftreten (z. B. nach dem Essen, nach dem Aufwachen). Ein anhaltend negatives Speichelpepsin-Ergebnis nach drei bis vier sorgfältig getimten Proben macht Reflux als Ursache unwahrscheinlich und rechtfertigt die Abklärung alternativer Diagnosen.
Referenzen
[1] Rasijeff AMP, Jackson W, Burke JM, Dettmar PW. PWE‑172 Verändert die Messung von Speichelpepsin das diagnostische Ergebnis bei Patienten, die mittels 24-Stunden-pH-Metrie untersucht wurden?Darm. 2015;64(Suppl 1): A287.3.
[2] Zhang M, Chia C, Stanley C, Phyland D, Paddle P. Diagnostischer Nutzen von Speichelpepsin im Vergleich zur 24-Stunden-Dual-pH/Impedanz-Sonde bei laryngopharyngealem Reflux.Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 2020;164(2):375‐380.
Medizinische Prüfung durch:Prof. Peter Dettmar, weltbekannter Experte für Refluxkrankheiten und der ursprüngliche Entwickler der Pepsin-Nachweistechnologie.
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